Zwischen den Zeiten
12.01.2009

Zwischen den Zeiten

Zwischen Mittelalter und Gigantismus - von Dubai in den Oman.
Auf dem schwimmenden Hotel Aida sind totale Erholung, Sonnenbaden, kulinarische Genüsse, aber auch vollkommen andere Welten angesagt.


Das kollektive Entspannen am Luxusschiff wird durch ein "Land in Sicht" unterbrochen, und es kommt Bewegung unter die Passagiere. Dort wo sich der tiefblaue Himmel im türkisblauen, warmen Meer vereint, tauchen plötzlich gigantische Türme, überdimensionale Bauwerke und die Wolkenkratzer von Dubai auf. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben in den letzten Jahren erkannt, dass das Öl vergänglich ist, weshalb die Wüstensöhne aus den einstigen Beduinen- und Fischerdörfern den wohl modernsten und mondänsten Flecken der Welt geschaffen haben. Dubai wurde zur Freihandelszone mit Hochseehafen, Steuern und Zölle wurden abgeschafft, wodurch Investoren ins Land kamen und gigantische Projekte realisierten.

So wurde der Grundstein für die Zeit gelegt, in der die Wüste nicht mehr das schwarze Gold ausspucken wird. In angeblich maximal zehn Jahren soll mit dem Öl Schluss sein. Unter dem Motto alles ist möglich, kann man jetzt im Wüstenstaat Ski fahren und Eis laufen. Die Vereinigten Arabischen Emirate lassen in den letzten Jahren mit einem Superlativ nach dem anderen aufhorchen.

Burj Dubai   

Dubai und Abu Dhabi überschreiten scheinbar architektonische und naturgesetzliche Grenzen und bieten eine vollkommen neue Art von Tourismus. Diese Maßlosigkeit faszinierte die restliche Welt, wenngleich der Gigantismus auch kritisch zu sehen ist. Wer noch das Dubai der 90iger Jahre kannte, der versteht die Welt nicht mehr. Wie können mitten im Meer so riesige, aufgeschüttete Inseln in Form von Palmen entstehen? Wie kann im Meer "die Welt" in Form kleiner Inseln entstehen? Wie kann es eine Skihalle mitten in der Wüste geben? Wie soll der höchste Turm der Welt, der Burj Dubai mit vermutlich 818 Metern Höhe (derzeit 730 Meter) "funktionieren"? Warum wird ein noch höherer Turm gebaut - der geplante Nakheel Tower soll eine Höhe von 1.140 Metern erreichen. Wie viele Einkaufstempel, in denen wiederum eine atemberaubende Architektur bewundert werden kann, in denen alle etablierten Marken zu finden sind, können noch errichtet werden? Wie können die Menschen hier leben? Vor allem jene vielen Gastarbeiter aus Pakistan oder Indien, die auf den Baustellen bei allen Witterungsbedingungen, also auch 50°C, rund um die Uhr arbeiten und dabei bei Gott nicht überbezahlt sind. Und, eine ganz wesentliche Frage. was verträgt die Umwelt noch? Viele Fragen, auf die man keine Antwort geben kann. Unbestritten ist allerdings, dass man das alles einmal gesehen haben will.

Das Meer und die Strände sind herrlich , die Hotellerie gehoben, die Temperaturen in der Zeit von September bis Mai äußerst angenehm. die hygienischen Bedingungen bestens. Man braucht bezüglich Essen und Trinken keinerlei Bedenken zu haben. auch wenn man mit Kindern reist . Die kulinarischen Angebote sind hochklassig, sowohl an Land, als auch am Schiff. Von der arabischen über die italienische bis zur indischen Küche, den zartesten Steaks. den exotischsten Früchten zu jeder Jahreszelt - auch in der Gastronomie ist alles möglich. Obwohl man sich im arabischen Raum befindet, ist es für Frauen kein Problem, sich frei zu bewegen. Es ist allerdings absolut verboten, am Strand das Oberteil abzulegen - normale Strandbekleidung war jedoch schon vor vielen Jahren nichts Auffälliges und ist es natürlich auch heute nicht. Wenngleich einheimische Frauen, wenn überhaupt, voll bekleidet ein Bad im klaren, blauen Meer nehmen.

 Strand Dubai

Beim Einkaufsbummel im Souk ist auch ein ausgeschnittenes Kleid mit Spaghettiträgern kein Problem. Allerdings sollte man aus Rücksicht auf die einheimische Bevölkerung niemals die Grenzen überschreiten. Wenn man von den Landausflügen mit den tausend Eindrücken der modernsten Gebäude, vom alten Goldsouk, dem Gewürzsouk und der Altstadt, in der Sie wirklich noch den Orient erleben können, zurückkommt, ist das Luxusschiff der notwendige Ruhepol, um für den nächsten Teil der Reise gerüstet zu sein. Da die wahren Abenteuer ja bekanntermaßen im Kopf ablaufen, ist das nächste Ziel - der Oman - eine ganz andere Welt der arabischen Halbinsel. Oman bedeutet Wohlgerüche erahnen, Farben sehen, Ruhe in sich aufnehmen. Das Weihrauchland legt nach wie vor großen Wert auf die orientalische Lebensweise und bietet Touristen einen Einblick in das traditionelle Leben.

Der Besuch von mittelalterlichen Forts, Kamelmärkten, von Wüstenoasen und der Hauptstadt Muskat sind ein beeindruckender Kontrast zu den Scheinwelten in den Emiraten. Die orientalischen Höhepunkte per Schiff zu erleben, hat den Vorteil, einerseits in die arabische Welt einzutauchen, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Und andererseits die atemberaubenden, künstlichen Oasen kennenzulernen, in denen nichts unmöglich ist. Wem dies alles zu viel ist, hat immer die Möglichkeit, sich auf das schwimmende Hotel zurückzuziehen, damit die Rückkehr in die reale Welt erleichtert wird.

QUELLE: Grazetta

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